Der GEB fragt zum Thema Kinderbetreuung in Bayreuth nach
Aufgrund der Stichwahl zwischen den Bürgermeisterkandidaten Thomas Ebersberger, CSU, und Dr. Andreas Zippel, SPD, werden auf dieser Seite die Antworten der beiden Kandidaten zum Thema Kindertagesbetreuung in Bayreuth direkt gegenüber gestellt.
Hintergrund: Im Lichte der bevorstehenden Kommunalwahl 2026 möchten wir die Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten auf ein zentrales Thema der kommunalen Familienpolitik aufmerksam machen: die Kindertagesbetreuung in Bayreuth. Die Positionen und Pläne der Politiker zu diesem Thema sind für viele Eltern und Familien in unserer Stadt von großem Interesse. (siehe auch alle Antworten)
Dr. Andreas Zippel, SPD
Thomas Ebersberger, CSU
1. Wie bewerten Sie die derzeitige Situation der Kindertagesbetreuung in Bayreuth hinsichtlich…
der Anzahl der zur Verfügung stehenden Betreuungsplätze
Dr. Andreas Zippel, SPD
Laut Aussage der Stadtverwaltung konnten 2025 das erste Mal seit vielen Jahren alle Anfragen auf einen Kitaplatz erfüllt werden. Ich sehe die Situation dennoch weiterhin kritisch:
– Diverse Kitas haben keine 100%, sondern eine Überbelegung mit bis zu 110%. Hierunter leidet die Qualität der Betreuung.
– Auch sorgt diese Maximalauslastung dafür, dass bei unterjährigem Zuzug kaum/keine Anmeldungen möglich sind.
– Wir wissen nicht, wie hoch die Dunkelziffer der nicht betreuten Kinder ist.
Daher möchte ich unbedingt die Jugendhilfeplanung fortschreiben. Dieses Mal muss auch der ab 2026 beginnende Ganztagesanspruch und die bei einer Sanierung von Gebäuden kurzzeitig wegfallenden Plätze einberechnet werden. Auch müssen wir durch quartiersbezogene Betrachtung dafür sorgen, dass Kinder von der Kita über den Schulsprengel möglichst zusammen in die Grundschule gehen.
Thomas Ebersberger, CSU
Eine gute Kindertagesbetreuung ist für mich eine extrem wichtige Maßnahme, da bereits in der Kita die Förderung und Integration der Kinder beginnt.
Derzeit hält Bayreuth circa 4000 Betreuungsplätze vor. Die Kindertagesstätte Hammerstadt wurde um 55 neue Plätze erweitert, der Waldorfkindergarten um 18 mit dem Naturwagen, die Kitas in der Altstadt, Rathenaustr, Graf Bertold Str wurden gesichert, einige „Aufrundungen“ in Kitas geklärt, Ganztagsbetreuung an Schulen ausgebaut.
Insgesamt hat sich die Betreuungssituation merklich entspannt, die Dringlichkeitsliste ist abgearbeitet, es gibt noch einige freie Kindergartenplätze.
Aufgrund des demographischen Wandels hat sich die Anzahl der Kinder um fasst 12 % reduziert, im Kindergartenbereich um 180 Kinder, d.h. 9 %. Bei der Ganztagsbetreuung werden zusammen mit der Diakonie in der Richard-Wagner-Str. 25 neue Plätze angeboten, der Hort der AWO wurde um 60 Plätze aufgestockt, Grundschule Herzoghöhe um 40 Plätze.
der personellen Ausstattung der Einrichtungen,
Dr. Andreas Zippel, SPD
Grundsätzlich ist dies die Aufgabe der Gesetzgebung des Freistaates. Bayreuth kann dies nur durch den Qualitätsbonus (Bayreuther Basiswert) beeinflussen. Dieser funktioniert zurzeit nur nach reinen Zahlen (Betreuungsschlüssel): Kommen auf eine bestimmte Anzahl Kinder/Betreuungsstunden eine Betreuungskraft, gibt es eine Bonus-Zahlung. Sind es zu viele Kinder, fällt diese weg. Ich möchte mit den Trägern zusammen herausarbeiten, welche anderen Kriterien besser geeignet wären.
Thomas Ebersberger, CSU
Die personelle Ausstattung der Einrichtungen, genauso wie die pädagogischen Angebote werden grundsätzlich von den Trägern angeboten, von der Stadt jedoch laufend finanziell unterstützt.
der pädagogischen Angebote in den Einrichtungen,
Dr. Andreas Zippel, SPD
Dies ist Sache der Träger. Man darf für Bayreuth wirklich positiv das breite Angebot unterschiedlicher Konzepte durch viele verschiedene Träger hervorheben.
Thomas Ebersberger, CSU
Die Verantwortung der Konzeptionen und somit der pädagogischen Schwerpunkte der Einrichtungen liegen beim jeweiligen Träger.
des baulichen Zustands der Einrichtungen und
Dr. Andreas Zippel, SPD
Sehr unterschiedlich, das Level ist grundsätzlich nicht schlecht. Man merkt aber, dass bei den städtischen (und älteren) Gebäuden großer Sanierungsbedarf vorhanden ist. Gleiches gilt für diverse Containerlösungen.
Meiner Ansicht liegt dies auch am Verfahren für den Gebäudeunterhalt: von der Meldung eines Problems über den Verwaltungsweg bis hin zur Umsetzung dauert es oftmals zwei Jahre. Das würde ich genauer analysieren und umorganisieren
Thomas Ebersberger, CSU
Bezüglich des baulichen Zustandes gibt es einige Fälle, die kurzfristig von den derzeitigen Containerlösungen auf einen deutlich höheren Standard umgesetzt werden müssen.
der Finanzierung der Betreuungsangebote?
Dr. Andreas Zippel, SPD
Auch das ist grundsätzlich Aufgabe der Gesetzgebung des Freistaates. Eine kommunale Bezuschussung ist aus meiner Sicht kaum finanziell darstellbar. Die bisherigen Gesetzesinitiativen aus München sind weiterhin wenig konkret. Hier würde ich mich über den Bayerischen Städtetag einbringen wollen.
Thomas Ebersberger, CSU
Die Stadt kann die Träger in einem gewissen Rahmen finanziell unterstützen, unter der Voraussetzung, dass die Aufsichtsbehörde der Stadt diese Zuwendungen genehmigt
2. Was sind Ihrer Meinung nach aktuell und in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen hinsichtlich der Kindertagesbetreuung in Bayreuth?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
In erster Linie der hohe Investitionsstau in den Kita-Gebäuden, zudem eine gute Umsetzung des Anspruchs auf Ganztagsbetreuung.
Thomas Ebersberger, CSU
Bezüglich des baulichen Zustandes gibt es einige Fälle, die kurzfristig von den derzeitigen Containerlösungen auf einen deutlich höheren Standard umgesetzt werden müssen. Für den Kindergarten Sankt Johannis mit 199 neuen Plätzen wurde bereits Grundstein gelegt, der Sport – Kindergarten der AWO steht kurz vor der Genehmigung, bezüglich des Kindergartens auf dem Zapf Geländes und des BRK laufen Verhandlungen, die Saas wird bearbeitet. Nach Angabe des zuständigen Referates sollte die Kindertagesbetreuung in Bayreuth ab Herbst 2026 ausreichend aufgestellt sein.
3. Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor, um die Qualität der Betreuung in Krippen, Kindergärten und Horten in Bayreuth zu sichern und zu verbessern?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Wie schon geschildert könnte man mit den Trägern über eine Anpassung des Qualitätsbonus (Bayreuther Basiswert) nachdenken, sodass z.B. auch die Vorhaltekosten für Notplätze, die Betreuung von Kindern mit besonderen Anforderungen oder die Ausbildung von Pflegekräften einfließen.
Auf baulicher Ebene würde ich einerseits die Verwaltungsverfahren umorganisieren wollen und zweitens endlich ein städtisches Facility-Management/Liegenschaftsverwaltung einführen, um den Unterhalt zu verbessern.
Thomas Ebersberger, CSU
Um die Qualität der Betreuung aufrecht zu erhalten, sollte der Bayreuther Bonus nicht gekürzt werden. Es muss sichergestellt werden, dass sich der Runde Tisch der Träger und die Stadtverwaltung weiter regelmäßig treffen und der Austausch gesichert ist.
4. Was wollen Sie unternehmen, um die Berufe in Kindertageseinrichtungen speziell in Bayreuth attraktiver zu machen und dem Fachkräftemangel zu begegnen?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Dies ist in erster Linie Aufgabe der Träger. Die Situation hat sich durch das Ansiedeln der beiden Fachschulen in Bayreuth und die neuen Tarifabschlüsse bei den Trägern gebessert. Aus städtischer Sicht könnte man z.B. die Ausbildung von Erziehungskräften in den Qualitätsbonus aufnehmen und durch gut sanierte Gebäude eine angenehme Arbeitsumgebung schaffen.
Thomas Ebersberger, CSU
Auf Nachfrage hat mir ein Trägervertreter mitgeteilt, dass zum Beispiel im Januar sieben Stellen besetzt werden mussten. Alle Stellen konnten auf erstmalige Ausschreibung mit qualifiziertem Personal sofort besetzt werden. Die vor zwei Jahren bestehende Bewerberknappheit hat sich nachhaltig verändert. Es ist die Anerkennung des Berufs, eine angemessene Bezahlung und ausreichende Ausbildungsplätze zu garantieren.
5. Wie sehen Ihre Pläne aus, um die Betreuungsangebote in Bayreuth rechtzeitig und ausreichend für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschulte Grundschulkinder auszubauen?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Da die Wahlperiode erst im Mai 2026 anfangen würde, wäre der Einfluss für den ersten Jahrgang wohl begrenzt.
Als Sofortmaßnahmen würde ich eine Priorisierung der Vernetzung zwischen Kita-verwaltung (Jugendamt) und Schulverwaltung sowie ein gemeinsames Anmeldeverfahren anstreben. Es darf nicht die Situation entstehen, dass die Ganztagsbetreuungen der Kita-Verwaltung bekannt sind und die Schulanmeldungen der Schulverwaltung, aber keine Vernetzung der Daten entsteht. Ich würde auch versuchen, Little Bird zu einem gemeinsamen Anmeldetool zu entwickeln und endlich das Analyse-Update für die Verwaltung dazuzukaufen.
Außerdem muss die Jugendhilfeplanung mit einem Schulentwicklungskonzept abgestimmt werden
– Kleinkinderbetreuung einerseits und Schulkinderbetreuung andererseits müssen zusammenpassen.
Aus meinen Gesprächen mit Eltern kommt zudem immer wieder auf, dass der Großteil des Betreuungsbedarfs eine Mittagsbetreuung ist. Hier müssen wir gezielt die Lücken schließen.
Thomas Ebersberger, CSU
Nach Auskunft der zuständigen Dienststelle ist ein ausreichendes Betreuungsangebot für die Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 26/27 sichergestellt. Die Schulen sind miteinzubeziehen.
6. Wie wollen Sie sicherstellen, dass in sämtlichen Formen der Kindertagesbetreuung in Bayreuth jeweils genügend Betreuungsplätze vorhanden sind, um den Bedarf zu decken und die vorhandenen Betreuungslücken zu schließen?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Ich verweise auf die obigen Antworten und betone nochmal, dass eine Priorisierung der Jugendhilfeplanung unter Einbeziehung der vorhandenen Gebäudestruktur mit dem entsprechenden Sanierungsstand besonders wichtig sein wird. Nur wer die Zahlen und einen Plan, kann sinnvoll die begrenzten städtischen Ressourcen zusammen mit den Trägern einsetzen.
Thomas Ebersberger, CSU
Neben dem bereits bestehenden circa 4000 Betreuungsplätzen sind derzeit 200 zusätzlich im Bau, und circa 250 in Planung. Unter Berücksichtigung der Geburtenentwicklung ist davon auszugehen, dass innerhalb von circa zwei Jahren die baulich schlechten Containerlösungen beseitigt sind.
7. Wie kann Ihrer Meinung nach die Finanzierung der Betreuungsangebote – auch der zusätzlich erforderlichen – in Bayreuth sichergestellt werden?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Hier wird neben Eigenmittels der kommunen insbesondere das Beantragen von Fördermitteln und die sofortige Weitergabe an die sozialen Träger, die für die Stadt die Betreuungsangebote schaffen, notwendig sein.
Thomas Ebersberger, CSU
Die Finanzierung ist sichergestellt.
8. Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Kinderbetreuung für Familien in Bayreuth angesichts stetig steigender Kosten bezahlbar bleibt?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Auch hier verweise ich auf obige Antworten, wonach das weitgehend die Aufgabe des Freistaates ist. Allerdings hat auch die Stadt einen Hebel: Nach dem Bayreuther Modell stellt die Kommunen (oder Private/Institutionen) den sozialen Trägern zumeist kostenfrei oder sehr günstig die Gebäude und Räume zur Verfügung. Dadurch müssen die Träger den Unterhalt nicht in die Elternbeiträge einpreisen. Das möchte ich so weiterführen. So können wir mittelbar Steigerungen wegen Unterhaltskosten vermeiden.
Thomas Ebersberger, CSU
Die Kosten werden durch soziale Eingriffe bezahlbar bleiben.
9. Was sagen Sie Eltern, die in Bayreuth trotz Ausschöpfens aller zumutbaren Mittel keinen Betreuungsplatz für ihr Kind oder ihre Kinder finden?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Zunächst einmal möchte ich, dass es zu einer solchen Situation gar nicht erst kommt. Wenn dies aber der Fall ist, dann sollen sie sich deutlich, aber in angebrachtem Ton an die Verwaltung wenden und ihre Situation darstellen. Es darf keine Dunkelziffer entstehen. Meinem Wissen nach haben die Sozialen Träger in den allermeisten Einzelfällen noch Lösungen gefunden, um eine Betreuung sicherzustellen, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.
Das ändert aber nichts daran, dass damit defacto das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern ausgehebelt ist.
Thomas Ebersberger, CSU
Nach Angabe des zuständigen Referates sollte die Kindertagesbetreuung in Bayreuth ab Herbst 2026 ausreichend aufgestellt sein. Mir sind freie Plätze gemeldet – allerdings müssen bei örtlicher Erreichbarkeit und dem baulichen Zustand noch Verbesserungen erfolgen – im Haushalt 26 sind über 7 Mio. € vorgesehen…
10. Wie wollen Sie langfristig die Kindertagesbetreuung in Bayreuth weiterentwickeln?
Antworten
Dr. Andreas Zippel, SPD
Zusammengefasst: Ich möchte die Kita-Verwaltung, die Schulverwaltung, die Bauverwaltung, die Sozialen Träger und die Elternbeiräte stärker miteinander vernetzen. Ich werde die Verwaltungsprozesse im Gebäude-Unterhalt anpassen, alle einschlägigen Förderprogramme für die Sozialen Träger beantragen sowie in der Planung- und Baugenehmigungsphase für Neubauprojekte größtmögliche Unterstützung geben. Außerdem soll unsere Kindertagesbetreuung stärker datenbasiert aufgrund von belastbaren Planungen erfolgen. Ich möchte die Vielfalt der Träger und pädagogischen Konzepte erhalten.
Thomas Ebersberger, CSU
Runde Tische, finanzielle Beiträge der Stadt und Ausbau der Räume werden die Situation weiter verbessern
Die Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten sind selbst für den Inhalt ihrer Antworten verantwortlich.
Die Reihenfolge der Antworten ergab sich durch deren Abgabezeitpunkt/Übergabe.
